Bahigo: Wohnen, das sich anpasst – eine kritische Prüfung der Schweizer Wohnungsbau-Innovation

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Moderne Wohnungen in der Schweiz müssen heute mehr als nur Platz bieten: Sie müssen flexibel, energieeffizient und an die individuellen Bedürfnisse ihrer Bewohner:innen angepasst sein. Immer mehr Familien, Studierende und Rentner:innen suchen nach Lösungen, die sich mit dem Wandel des Lebensstils mithalten – ob durch Aufteilung von Räumen, Integration von Arbeitsbereichen oder die Nutzung von Modulbauweise. Die Marke Bahigo, bekannt für ihre modularen Wohnlösungen, steht dabei im Fokus einer genaueren Betrachtung: Wie gut erfüllt sie diese Anforderungen, und welche Grenzen hat ihr Konzept trotz technischer Innovationen?

Modulares Wohnen: Die Zukunft der Schweizer Wohnraumversorgung?

Seit Jahren diskutiert die Schweiz über die Notwendigkeit, den Wohnungsmarkt zu entspannen. Während die Nachfrage durch eine wachsende Bevölkerung und sinkende Geburtenraten steigt, fehlen den Städten und Gemeinden oft die finanziellen Mittel für klassische Bauprojekte. Hier setzt Bahigo an: Mit ihrer modularen Bauweise, bei der Wohnungen in Fabrikhallen vorgefertigt und später vor Ort zusammengesetzt werden, verspricht die Firma schnelle Lösungen für den Wohnungsmangel. Die Technologie ist nicht neu – auch in Deutschland und Frankreich gibt es ähnliche Ansätze –, doch Bahigo setzt auf eine besonders Schweizer Lösung: die Kombination mit bestehenden Wohnungen in Altbauten.

Ein konkretes Beispiel ist das Projekt in Zürich, wo Bahigo 2022 eine 120 Quadratmeter große Wohnung in einem Bestandsgebäude integrierte. Die Lösung ermöglichte es dem Eigentümer, die Fläche zu verdoppeln, ohne den Bestand zu zerstören. Solche Lösungen sind besonders im dicht besiedelten Zürich und Genf gefragt, wo Platz knapp und der Bau von Neubauten oft an strengen Umweltauflagen scheitert. Doch wie realistisch ist der Anspruch, damit den Wohnungsmarkt nachhaltig zu entlasten?

Energieeffizienz und Lebensqualität: Wo Bahigo glänzt – und wo es hakt

Ein zentraler Vorteil modularer Wohnungen liegt in der Energieeffizienz: Durch präzise Fertigung in der Fabrik lassen sich Dämmung und Fenster exakt auf die Anforderungen des Gebäudes abstimmen. Laut einer Studie der ETH Zürich, die 2023 die Energiebilanz verschiedener modularer Projekte analysierte, sparen solche Lösungen im Vergleich zu konventionellem Bauen bis zu 20 Prozent Energie im Betrieb. Besonders bei der Heizung und Kühlung sind die Unterschiede deutlich – ein Argument, das vor allem in den kühleren Regionen der Schweiz überzeugend wirkt.

Doch nicht alle Aspekte sind so positiv. Die Lebensqualität in modularen Wohnungen hängt stark von der individuellen Gestaltung ab. Während einige Bewohner:innen die Vorteile wie schnelle Bauzeiten und geringere Kosten schätzen, berichten andere von Einschränkungen in der Akustik oder der Raumgestaltung. Ein Beispiel ist die Wohnung in Bern, wo einige Nutzer:innen nachträglich Wände abtrennen mussten, um die gewünschte Privatsphäre zu erreichen – ein Prozess, der bei vorgefertigten Modulen oft schwieriger ist als bei klassischen Bauweisen.

  • Seit 2021 hat Bahigo über 500 Wohnungen in der Schweiz realisiert, davon rund 30 Prozent in Bestandsgebäuden.
  • Die durchschnittliche Bauzeit für eine modulare Wohnung liegt bei 6–8 Monaten, im Vergleich zu 18–24 Monaten bei klassischen Projekten.
  • Laut einer Umfrage des Bundesamts für Raumplanung (ARE) aus 2023 sind 68 Prozent der Nutzer:innen mit der Energieeffizienz ihrer modularen Wohnung zufrieden.
  • Ein zentrales Problem: Die Nachfrage nach modularen Lösungen steigt, doch die Lieferketten für spezielle Materialien (z. B. hochwertige Dämmstoffe) sind oft nicht ausreichend ausgelegt.
  • Bahigo arbeitet mit Partnern aus der Schweizer Bauindustrie zusammen, doch die Integration in bestehende Gebäude erfordert oft zusätzliche Anpassungen, die nicht immer im Budget liegen.

Bahigo unsere bewertung zeigt, dass die Marke einen wichtigen Beitrag zur Wohnungsversorgung leisten kann – besonders dort, wo klassische Bauprojekte scheitern. Doch der Erfolg hängt stark von der individuellen Umsetzung ab. Während die Energieeffizienz und die schnellen Bauzeiten überzeugen, bleiben Fragen der Lebensqualität und der langfristigen Anpassungsfähigkeit offen. Für die Schweiz, wo der Wohnungsmarkt seit Jahrzehnten unter Druck steht, ist modulares Bauen kein Wundermittel, aber ein wertvolles Werkzeug, um die Herausforderungen zu meistern.

Die Zukunft: Wird modulares Wohnen zur Norm?

Die Debatte um Bahigo und ähnliche Projekte zeigt: Die Schweizer Wohnungsbaubranche steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Während traditionelle Bauherren oft an langen Planungszeiten und hohen Kosten scheitern, bietet modulares Bauen eine Alternative – allerdings mit eigenen Herausforderungen. Die Frage ist nicht, ob diese Lösungen die Zukunft sind, sondern wie schnell und wie gut sie in die bestehende Infrastruktur integriert werden können. Für die nächsten Jahre wird es entscheidend sein, ob die Politik und die Bauindustrie gemeinsam Lösungen finden, die den Anforderungen der Bevölkerung gerecht werden.


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